BEHIND PARADISE

Bushbabies Nest // Kombas Nest  – nachhaltige Entwicklungsprojekte im Süden Sansibars

Eine Reise hinter die Kulissen des Paradieses Sansibar. Ein Bericht über ein Projekt als Hilfe zur Selbsthilfe, von den Bewohnern der Insel ins Leben gerufen. Hier in Bildern ein kleiner Vorgeschmack. Ein vielseitiger Reisebericht mit spannenden Menschen. – Dieser Artikel brauchte fünf Jahre von seiner ersten Entstehung bis zur Veröffentlichung. Jetzt ist er da. Ich möchte all denen danken, die mir ermöglicht haben diese Eindrücke heute zu teilen.

Auf Sansibar haben sich Afrika und die arabische Welt einst getroffen und auf immer vereint: einst Sultanat und reiches Handelszentrum für Gewürze aus dem Orient und auch als Zentrum für Sklavenhandel, hat sich die Insel ihre Identität von orientalisch-afrikanischen Kulturmix bis heute bewahrt.

In der „Karibik Afrikas“ suchen die europäischen Gäste meist in verschlossenen Hotelanlagen, an Palmen gesäumten Korallensandstränden gelegen, ihr Urlaubsglück. Doch fernab der Beachfront liegen im Inselinneren Dörfer, in denen Touristen weitgehend fremd sind. Hiehin führt der erste Teil meiner Reise, in ein Gebiet fernab vorgegebener Tourismus-Pfade. Nach kurzem Aufenthalt in der im Dornröschenschlaf liegenden Hauptstadt Stonetown, reise ich in das Dorf Muungoni, zum fabelhaften „Mr. Mohammed“. Dieser schafft es ein ganzes Dorf mit neuen Ideen für den nachhaltigen Tourismus zu inspirieren. Es ist eine Reise ohne den herkömmlichen Tourismuszirkus, der den Inselstaat immer mehr von der Küste her für sich einnimmt. Ich lande im Dschungel, im Komba-Nest oder auch übersetzt Bushbabies-Nest. Ein magischer Ort mitten im Dschungel. Aber beginnen wir von vorn: Die Reise beginnt in Stonetown, Insel-Metropole, die als Unesco-Weltkulturerbe ihren einstigen Glanz unter der Patina nur noch erahnen lässt. Auf dem Markt und im Hafen der Stadt pocht das lebendige Herz der Insel. Hier werden im frühen Morgengrauen bis spät in die Nacht eifrig Handelsgeschäfte abgewickelt. In Stonetown treffe ich auch die Organisatoren der NGO ,World Unite‘. Die Organisation vermittelt Freiwillige in Entwicklungshilfe-Projekte auf der Insel und auf dem tansanischen Festland. Wobei ,Entwicklungshilfe‘ es im Wortsinn nicht trifft, sind es doch eher Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekte. Teilnehmer wie Studierende, Schulabsolvent*innen, Aussteigende oder Neuorientierende erhalten von ‚World Unite’ Beratung für den Aufenthalt im fremden Land, sie treten eine organisierte Reise an und werden in ein passendes Selbsthilfe-Projekt vor Ort vermittelt, an dem sie mitarbeiten können. „Diese Verbindung von Netzwerkarbeit und Reisen ist ein guter Multiplikator für die Verbreitung der Idee hinter den einzelnen Projekten. Die Nähe und der interkulturelle Austausch, der auf diese Art und Weise entsteht, sind nachhaltiger für die Hilfe von Mensch zu Mensch.“, findet Chris Engler der Gründer von ,World Unite‘. Er hat die NGO hier auf Sansibar gegründet und mittlerweile auch auf andere Kontinente ausgeweitet. Seit zehn Jahren betreibt er nun Netzwerkarbeit mit Projekten, die vor Ort von Inselbewohner*innen geleitet werden und hat damit den Überblick, was sich in der Hinsicht auf den drei Inseln Sansibars und auf dem tansanischen Festland tut. Chris ist ein ruhiger und leiser Netzwerkarbeiter, er kennt jedes Projekt auf der Insel und jeder kennt ihn. Er empfehlt mir das Projekt ‚Zala Park’ von Mohammed Haji in Muugoni zu besuchen. – Es folgen drei Tage Sansibar mit Einblicken in ein Projekt, das mehr als einen bleibenden Eindruck hinterlässt, es verändert meinen Blick auf diese und auch folgende Reisen.

Ich fahre in den Süden der Insel und treffe in der Dämmerung in Muungoni ein. Hier liegt der Zala-Park, den Mohammed Hahij gegründet hat und in dem er selbst auch wohnt. – Anders als in vielen Tourismusführern beschrieben, versteht sich der Zala-Park nicht als Zoo für heimische Arten. Vielmehr ist es ein Projekt zum Schutz von bestimmten endemischen Tieren: Auf Sansibar herrscht oft noch tiefer Aberglaube und so werden unter anderem auch Tieren negative Eigenschaften nachgesagt, die dann schlussendlich zu ihrer Bedrohung oder gar Ausrottung führen. Findet man bspw. eine der wunderschönen, dunkelroten Landkrabben im Haus, wird dies oft als Orakel für eine bevorstehende Scheidung gedeutet. Meist wird dann der Krabbe kurzerhand der Garaus gemacht, um das Orakel zu brechen, erzählt Mr. Mohammed. „Auch bestimmten Waran-Arten wird die Übertragung von Krankheiten beim Biss nachgesagt, obwohl sie noch nicht einmal Zähne haben.“ Er lacht. Schildkröten oder die kleinen Verwandten der Elefanten, die ,Tree Hyrax‘ – die verträumten ,Baumschleifer‘, landen nicht selten auch mal im heimischen Kochtopf. Traditionen, die den in Armut lebenden Menschen auf dem Land schwer zu verübeln sind, da die Ausrottung der Tiere, wider besseren Wissen passiert. „Artenschutz ist hier noch ein Fremdwort.“ erklärt Mr. Mohammed. Dagegen kämpft er seit vielen Jahren seinen kleinen persönlichen Feldzug. So führt er Tourist*innen durch seinen Zala-Park und erklärt ihnen die heimischen Tierarten. Die Spenden der Besucher werden später anteilig den Dorfbewohner*innen ausgezahlt, die Tiere in seine Obhut bringen anstatt sie zu töten. Leise Aufklärungsarbeit, mit kleinen Tricks. Außerdem unterrichtet Mr. Mohammed die Schüler*innen der Grundschule in Muungoni in Artenkunde. „Viele wissen nicht um die Vielfalt der Natur in der sie leben.“ Alles begann als 1984 der Amerikaner „Rob“ kam. Der Biologe erforschte den umliegenden Wald. Durch ihn wurde hier der Grundstein für eine Forschungshütte gelegt, die auf Mr. Mohammeds Grundstück gebaut wurde. Damit begann auch das Projekt ‚Zala-Park’. Mr. Mohammeds Park ist heute Teil des Austausch-Programms von ‚World Unite’.

Wir haben gerade Mittagszeit, die Kinder stehen an, um sich die Hände zu waschen. Wie fast überall im Alltag des Insellebens wird hier nach Geschlechtern getrennt. Essen gibt es für Jede und Jeden, egal wie arm. An einigen Dorfschulen auf der Insel unterrichten junge Studierende als Teil von ,World Unite‘. Sicher können hier auch junge Menschen aus Europa lernen, wie man mit wenig viel erreichen kann.

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